23. April 2024

Rund um Taschenuhren

 


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Eine Taschenuhr ist eine tragbare Uhr, die entworfen wurde, um in einer Tasche getragen zu werden, typischerweise an einer Kette befestigt, die oft an der Kleidung, wie der Weste, befestigt wird. Diese Uhrenform war besonders vom 16. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts beliebt, bevor die Armbanduhren allgemein üblich wurden. Taschenuhren sind nicht nur Zeitmesser, sondern waren auch ein Statussymbol und ein Stück Handwerkskunst. Sie verfügen über ein Gehäuse, das das Uhrwerk schützt, und können aus einer Vielzahl von Materialien gefertigt sein, darunter Gold, Silber und andere Metalle. Das Zifferblatt der Uhr ist oft mit einer Abdeckung geschützt, die aufgeklappt werden kann, um die Zeit abzulesen. Im Laufe der Geschichte waren Taschenuhren oft reich verziert und mit zusätzlichen Funktionen wie einem Kalender, einer Mondphasenanzeige oder sogar einem Musikwerk ausgestattet. Ihre Mechanismen und die Präzision der Zeitmessung haben sich im Laufe der Jahrhunderte stetig weiterentwickelt. Heute werden Taschenuhren meist von Sammlern geschätzt oder bei besonderen Anlässen als klassisches Accessoire getragen.

Kleiner Glossar mit Begriffen, die häufig im Zusammenhang mit Taschenuhren verwendet werden



1. Ankerhemmung: Ein Mechanismus, der in mechanischen Uhren verwendet wird, um die Energie in geregelten Intervallen freizugeben, was zu einer genauen Zeitmessung führt.

2. Breguet-Spirale: Besondere Form der Unruhspirale, bei der die äußere Windung nach oben über die Federwindungen gebogen ist, quasi eine in eine höhere Ebene gebogene Endkurve der Unruhspirale. Erfunden wurde sie von Breguet und diente der Verbesserung der konzentrischen Atmung der Spirale für einen besseres Gangergebnis.

3. Deckel: Der Schutzdeckel einer Taschenuhr, der das Zifferblatt und das Uhrglas abdeckt. Es gibt verschiedene Arten von Deckeln, wie den Sprungdeckel, der sich auf Knopfdruck öffnet.

4. Durchmesser: Der Durchmesser des Uhrwerks oder des Gehäuses, oft in Millimetern angegeben.

5. Ébauche: Ein Uhrwerk aus Massenproduktion. Vorgesehen für den Weiterverkauf an andere Firmen, die die Werke dann ggf. vervollständigen, signieren, verfeinern und unter eigenem Namen schließlich verkaufen.

6. Gangreserve: Die Zeitspanne, in der eine Uhr weiterläuft, ohne aufgezogen zu werden.

7. Gehäuse: Der äußere Teil der Uhr, der das Uhrwerk enthält und schützt. Es kann aus verschiedenen Materialien wie Gold, Silber oder Messing bestehen.

8. Kette: Die Kette, die verwendet wird, um die Taschenuhr an der Kleidung zu befestigen, oft an einer Weste oder einem Gürtel.

9. Kronenaufzug: Ein Mechanismus zum Aufziehen der Uhr und zum Einstellen der Uhrzeit, der durch Drehen einer kleinen gerändelten Krone an der Außenseite des Uhrengehäuses bedient wird.

10. Mineralglas: Ein häufig verwendetes Uhrglasmaterial, das kratzfester als herkömmliches Glas ist.

11. Savonnette: Eine Taschenuhr mit einem Sprungdeckel, der das Zifferblatt schützt.

12. Skelettieren: Ein Verfahren, bei dem nicht unbedingt benötigte Teile des Uhrwerks entfernt oder ausgeschnitten werden, um die Mechanik der Uhr sichtbar zu machen.

13. Spindelhemmung: Eine der ältesten Hemmungsarten in Uhren, die vor der Entwicklung der effizienteren Ankerhemmung verwendet wurde.

14. Taschenuhrkette: Eine Kette oder ein Band, das dazu dient, die Taschenuhr sicher an der Kleidung zu befestigen.

15. Zifferblatt: Die Fläche der Uhr, auf der die Stunden, Minuten und oft auch Sekunden angezeigt werden. Sie kann aus verschiedenen Materialien bestehen und unterschiedlich verziert sein.

16. Zugfeder: Die Hauptfeder der Uhr, die Energie speichert, wenn die Uhr aufgezogen wird und diese Energie langsam freigibt, um die Uhr in Gang zu halten.

17. Öse: Ein kleiner Metallbügel an der Oberseite des Uhrengehäuses, an dem die Kette befestigt wird.

Uhrengeschichte, kompakt


1500 - Erfindung der Taschenuhr. Die ältesten Exemplare tragbare Uhren in Dosen- oder Trommelform, die seit etwa 1500 hergestellt wurden. Das Gehäuse, meist aus Messing, trägt auf der Oberseite ein Zifferblatt mit nur einem Zeiger.

1511 - Erste tragbare Uhr (ohne Säckchen) von Peter Henlein aus Nürnberg

1525 - Erstmalige Verwendung der Schnecke. Dabei ist Kette/Schnecke ein Konstrukt aus einem schneckenförmigen Rad, in dessen Windungen eine feine Kette aufgewickelt ist (befestigt am Punkt des größten Umfangs). Das andere Ende der Kette ist an dem Federhaus befestigt. Sinn ist es, die nicht-lineare Kraftabgabe der Aufzugsfeder im Federhaus auszugleichen, um so einen möglichst gleichmäßigen Gang der Uhr zu gewährleisten. Meist ist die Schnecke noch aus Darm gefertigt.

1570 - Sechs- und achteckige Taschenuhren werden angefertigt

1570 - Speziell in und um Augsburg werden dosenförmige Uhren als Halsuhren angefertigt.

1590 - Die Schneckenkette wird aus Stahl gefertigt. Die Verdrängung der Darmseite erfolgt aber endgültig erst 10 bis 15 Jahre später, da letztere günstiger und wenig schwer herzustellen ist.

1600 - Um 1600 gibt es die ersten Taschenuhren mit Weckerfunktion.

1600 - Aufkommen der (des) Formuhr(-werks); damit bezeichnet man eine Uhr oder ein Uhrwerk in nicht-runder Form, z.B. in Kreuz-, Herz-, Polygon-, oder Totenkopfform.

1615 - Uhrglas ersetzt das seit 1550 eingesetzte Bergkristall zum Schutz des Ziffernblattes.

1620 - Erstes Vorkommen von Taschenuhrgehäusen die mit Schildpattauflagen verziert sind.

1632 - Aufkommen von Emailemalereien.

1633-37 - Erstes Vorkommen von Zifferblättern aus Emaile.

1640 - Doppelgehäuse für Emaileuhren.

1650 - Erste Taschenuhrgehäuse in getriebener Arbeit.

1650 - Uhren mit drei Gehäusen (innere: Metall, dann: Schildplatte, zuletzt: Papier oder ähnliches für Dekormotive)

1658 - Erfindung der Spiralfeder durch Huygens. Sie wird zunächst nur vereinzelt angewendet (die Veröffentlichung dieser Erfindung erfolgte erst 1665). Vermehrt zum Einsatz kam sie erst ab 1690. Die Uhren erhielten nun eine sehr dicke Form

1670 - Durchbrochene Taschenuhrgehäuse mit Blattwerk- und Tierdarstellungen stammen aus dem, mit diesem Jahr beginnenden, halben Jahrhundert bis 1720

1674 - Erste Uhr mit Spiralfeder

1676 - Erfindung der Repetiereinrichtung für Taschenuhren durch Eduard Barlow und Daniel Quare. Die Hauptzeit der Repetieruhren liegt aber um 1720.

1687 - Einführung des Minutenzeigers der allerdings in Grossuhren schon früher angewendet worden ist.

1700 - Von jetzt an werden - und zwar das ganze 18. Jahrhundert hindurch - Uhren in Achat- und Jaspisgehäusen angefertigt und ebenso Uhren mit Edelsteinen besetzten Gehäusen.

1700 - Erfindung: Rubinbohrung.

1700 - Der Minutenzeiger wird vermehrt eingesetzt und zwar mit dem Stundenzeiger zusammen auf gemeinsamen Zifferblatt

1700 - Ganz vereinzelt kommt schon der Aufzug ohne Schlüssel vor

1710 - Erfindung des Zylinderganges der aber noch sehr wenig angewendet. Bis 1800 waren die allermeisten Taschenuhren noch mit dem Spindelgang versehen

1711 - Staubring/Staubdeckel findet Anwendung

1721 - Pinchbeck erfindet eine goldähnliche Legierung, die vielfach für Gehäuse angewendet wird

1722 - Erfindung des Ankerganges mit Rechen und Trieb; Bei einer freien Hemmung kann die Unruh stets frei schwingen und hat nur im Augenblick der Hebung (z.B. Mitnahme des Ankers) bzw. bei der Impulsgabe (durch die Ankergabel auf den Hebestein) Kontakt mit dem restlichen Hemmungssystem.

1724 - Erste Duplex-Hemmung von Pierre le Roy
- 1675 von Hooke erfunden, 1724 von Duterte perfektioniert und verwendet von Pierre le Roy

1740 - Auf den Uhrgehäusen kommt die vierfarbige Goldauflage (à qautre vouleurs) zur Anwendung

1741 - Erfindung des Stiftenganges; man bezeichnet damit den kleinen Stift am Ende der Ankergabel, der in den Einschnitt der Hebelscheibe greift und ein Ausschwingen der Unruh während des weiteren Schwingens (Ergänzungsbogen, nicht-aktiver Teil der Schwingung) verhindert.

1750 - Erfindung des Duplexganges bzw. Verbesserung desselben

1760 - Thomas Mudge baut den ersten freien Ankergang für Taschenuhren

1760 - Der Sekundenzeiger kommt ab und zu vor, häufiger aber erst gegen 1800

1769 - Chronometerhemmung. Als Erfinder dieser Hemmung gelten Pierre Le Roy, Ferdinand Berthoud sowie John Arnold und Thomas Earnshow.

- Die Ankerhemmung erlaubte das freie Schwingen der Unruh für jeweils eine halbe Schwingung (die Amplitude). Um Uhren mit noch höherer Präzision bauen zu können, wurde die Unruh für die Dauer einer ganzen Schwingung berührungsfrei belassen.

1769/1770 - Dünnere Exemplare werden hergestellt

1770 - Erste Uhr mit automatischem Aufzug von Abraham-Louis Perelet, Le Locle/Schweiz

1772 - John Arnold fertigt die erste Kompensationsunruh, welche die Grundlage für die heutigen bimetallischen Unruhreifen bildet

1774 - Erstes Auftauchen Staubkapseln zum Schutz der Werke.

1775 - Die zylindrische Spiralfeder wird eingeführt.

1776 - Das Kaliber Lépine kommt auf. Lepine-Kaliber bezeichnet dabei ein Uhrwerk, dass anstelle der damals verwendeten Vollplatinen-Bauform Brücken und Kloben besaß und zudem die Unruh nicht über dem Werk, sondern wie heute üblich, darin verbaut war.

1780 - Guillochierte Uhrgehäuse kommen zur Anwendung.

1780 - Tonnenförmige Spiralfeder

1781 - Earnshaw erfindet die Chronometerhemmung mit Federgang.

1782 - Kompensationsunruh von John Arnold

1791 - Patent für Litherland umfasst den Ankergang mit Rechen und Trieb.

1800 - Erfindung des Steinzylinders für die Zylinderhemmung.

- Erfindung des Tourbillons. Von Breguet erfundenes Konstrukt, bei der Unruh und Hemmung in einem Gestell gelagert ist, welches sich auf einer zentralen Welle (Achse) drehen kann, um so Lagefehler ausgleichen zu können.

- A.L.Breguet führt die aufgebogene Spiralenkurve ein.

- Sekundenzeiger für Taschenuhren.

1807 - Erstes Taschenchronometer von Jürgensen.

1822 - Erste Stoppuhr in England.

1842 - Erster Bügelaufzug (Remontoir-Aufzug) von Adrien Philippe, Genf

1897 - Erfindung des Nickelstahls durch Prof. Ch. Guillaume, Paris

1898 - Radiumnachweis von Curie

1912 - Armbanduhren kommen auf und beginnen Taschenuhren zu verdrängen.

1932 - Selbstkompensierende Spiralfeder Dr. R. Straumann, Schweiz

1952 - Bruchfeste Zugfeder, Dr. R. Straumann, Schweiz

 

 


 

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