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Abtei Tholey - Teil Ic: Allgemeine Stoffsammlung

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Quelle: Vermerk "Theulegium" am Rand Kopie

Das Testament der fränkischen Adeligen Adalgisel genannt Grimo aus dem Jahre 634. 634 - In dieser ältesten Urkunde der Rhein- und Mosellande- dem Testament des fränkischen Adeligen Adalgisel Grimo wird u. a. von dessen Eigenkirche in Tholey berichtet. Diese wurde in den Ruinen einer römischen Badeanlage (2./3. Jh. nach Chr.) eingerichtet. Bereits im frühen 7. Jahrhundert begann in Tholey monastisches Leben. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen von Prof. Dr. F Staab ist die Abtei Tholey das älteste deutsche Kloster. Wobei diese Ergebnisse aber nicht unbestritten sind.

 

Grimo Testament

Das in einer Kopie des 10. Jahrhunderts erhaltene Testament stellt die älteste Urkunde der Rheinlande dar. Grimo gehörte zur Führungsschicht des Merowingerreiches und war Mitglied der Königssippe. Entsprechend umfangreich waren die Besitzungen, welche verschiedenen kirchlichen Institutionen zukommen lässt. Sie reichen vom Tal der Maas über das Moseltal bis hin nach Tholey. Tholey kommt in verschiedenen Namensformen vor (Teulegio, Toleio, Taulegius). Noch unzureichend ist die Lage des mit Tholey genannten Domo bzw. Doma geklärt. Mögliche Erklärungen wären die Unterscheidung zwischen dem Namen des Vicus im Wareswald oder einer Befestigung auf dem Schaumberg gegenüber der Ortslage Tholey. Lange diskutiert wurde die Deutung der clerici, die nach Tholey entsendet wurden. Waren sie Weltgeistliche oder Mönche? Ebenso ist die Übersetzung des Begriffes loca sancta diskutiert worden. Stehen die Stätten der Heiligen als Synonym für eine Kirche oder gar für ein Kloster? Der Kirchenhistoriker Prof. Franz Staab sieht in den verwendeten Worten eindeutig Hinweise auf klösterliches Leben von Beginn an. Tholey war danach noch nicht nach der Regel des hl. Benedikt ausgerichtet, sondern orientierte sich an altgallischen und iro-schottischen Mönchsregeln. Erst Mitte des 8. Jh. dürfte der Konvent dann eine benediktinische Ausrichtung erfahren haben. Mit Prof. Staab darf festgestellt werden, dass Tholey das älteste Kloster auf deutschen Boden ist.

 

Auszug aus dem Grimo-Testament in deutscher Übersetzung:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Niederschrift. An den 3. Kalenden des Januars im 12. Regierungsjahr unseres ruhmreichen Königs Dagobert. Ich Adalgisel, der auch Grimo genannt wird, zwar Sünder, dennoch durch Gottes Gnade Diakon …Den Ort mit dem Beinamen Domo und das castrum Tholey, in den Vogesen gelegen, wo ich zu Ehre Gottes eine Stätte der Heiligen erbaut habe und wohin der Bischof von [unsicher, Trier oder Verdun] auf meine Bitten Kleriker schickte, die dort dienen, in unversehrter Gänze, so wie es gegenwärtig von mir besessen wird, mit Feldern, Wiesen, Wäldern und Hörigen [Gebäuden], mit allem seinem Recht, mit Zubehör, Einkünften, gekauften Häusern und was zur Zeit meines Todes in diesem Ort gefunden wird, alle und alles, so wie es diese Urkunde, die ich in der Kirche von Verdun gemacht habe, enthält, soll diese Kirche selbst (d.h. Verdun) in ihr Recht und ihre Herrschaft erhalten und soll sie als Verwalter im Namen Gottes besitzen.

 

 

Mitte des 8. Jahrhundert erste größere Baumaßnahme in Form der Erweiterung der 1. Tholeyer Kirche um ein Chorgeviert. Um 853 wird im Testament der Erkanfrida wird ein "monasterium" in Tholey erwähnt. 1066 wird die Beisetzung des Kölner Domprobstes und späteren Trierer Erzbischofs Kuno v. Pfullingen in Tholey schriftlich erfasst. Ab 1216 erfolgte die Renovierung der Abteikirche. Um 1230 erfolgte die Zerstörung der Kirche durch Brand, worauf der Konvent der Abtei diese verlassen musste und in Oppenheim Aufnahme fand. Der Kirchenneubau fiel 1236 übrigens auch einem Brand zum Opfer, an deren Stelle man in den Jahren 1264 bis 1320 die heutige gotische Abteikirche erbaute.

Das Thema Brände suchte die Abtei wieder im späten 15. Jahr bzw. im frühen 16. Jahrhundert heim, denen zahlreiche Klostegebäude zum Opfer fielen, die viele Bauarbeiten zur Errichtung neuer Gebäude nach sich zogen, u.a. auch der Kreuzgang. Einer der letzten großen Neubauten der Abtei das in den Jahren 1722 bis 1725 errichtete Dormitorium, also der gemeinschaftliche Schlafsaal, entworfen durch Pierre le Noir.

Bedingt durch die Französische Revolution wurde das Kloster entsäkularisiert, bis es genau 200 Jahre später, also 1949 wiedererichtet wurde und heute als Abtei und Pfarrkirche verwendet wird. Im Jahr 2008 zählt der Konvent 13 Mönche, davon sechs Priester; dazu ein Postulant. Rund die Hälfte der Mönche ist älter als 70 Jahre. Der Wahlspruch des Klosters ist: Fide et Patientia – In Glaube und Geduld. Klostervorsteher ist seit 2008 P. Mauritius Choriol als Prior-Administrator. Von der Wiedererrichtung der Abtei 1949 bis zur Neustrukturierung der Pfarreien im Bistum Trier 2008 versahen die Tholeyer Mönche auch die Pfarrseelsorge der Pfarrei Tholey. Die ordenseigenen Werkstätten haben die Mönche bereits aufgeben müssen, ebenso die Landwirtschaft. Sie führen ein Gästehaus St. Lioba mit 20 Betten und ein Restaurant, um so neue Einnahmequellen zu erschließen.

Apropos 2008 - Mauritius Choriol löste Makarios Hebler ab

Vom Spitzenkoch zum Abt: Mauritius Choriol ist Administrator in Tholey. Am 8. September 2008 wählte der Konvent der Abtei Tholey den bisherigen Prior, P. Mauritius Choriol OSB (48), zum Prior-Administrator auf drei Jahre. Abt Makarios Hebler OSB (58), der das Kloster seit 1985 geleitet hatte, war am 31. August 2008 zurückgetreten. Der Administrator steht der 13 Mönche zählenden Abtei vor wie ein Abt, d.h. er leitet das Kloster mit allen Rechten und Pflichten. Pater Mauritius Choriol wurde 1959 in Erstein bei Strassbourg (Elsass) geboren. Er absolvierte in Luxemburg eine Ausbildung zum Koch und arbeitete danach in erstklassigen Restaurants, bis er 1983 in die Abtei Tholey eintrat. 1990 legte er seine ewigen Gelübde ab. Im September 1993 wurde er nach dem Theologiestudium an der Universität Fribourg in der Schweiz in Tholey zum Priester geweiht. Als Cellerar und Leiter des Gästehauses ist er vielen Besuchern und Freunden der Abtei bereits bekannt.

Zu Abt Makarios Hebler OSB (*1955): Hebler trat zum 28. Okt. 1971 in die Abtei Tholey ein, die unter der Leitung von Abt Petrus Borne stand. Im März 1972 begann er sein Noviziat und erhielt den Ordensnamen Makarios nach einem ägyptischen Mönch des 4. Jahrhunderts. Ein Jahr später legte er seine zeitlichen Gelübde ab und begann mit dem Studium der Philosophie und Theologie an der Universität in Salzburg. Nach zwei Jahren wechselte er zum Studium der Theologie an die Universität Fribourg. 1980 beendete er seine Studien mit dem Lizentiat in Bibeltheologie. Während der Studienzeit legte er am Ostermontag 1976 seine ewigen Gelübde in die Hände des damaligen Priors und späteren Abtes Hrabanus Heddergott ab. 1980 ging Frater Makarios noch ein knappes Jahr zu den Benediktinern nach Hautecombe am Lac du Bourget in den französischen Alpen, um seine Französischkenntnisse aufzubessern. 1981 wurde er von Bischof Hermann-Josef Spital zum Priester geweiht, 1985 wählte ihn der Konvent von Tholey zu seinem Abt. Hebler leitete den Konvent 23 Jahre. Er führte den unter den Äbten Petrus und Hrabanus begonnenen Umbau des Klosters weiter. Im November 1997 übernahm er auch das Amt des Pfarrers von Tholey. Zu den Aufgaben als Abt und Pfarrer kamen auch Aufgaben im Bereich des Ordens. Mehr als ein Jahrzehnt hatte er die Leitung und Herausgabe der Studia Regulae Benedicti – interdisziplinäre Studien zur Klosterregel des Hl. Benedikt inne. Da die Umstrukturierung der Pfarreien im Bistum Trier Hebler zwang, sein Amt als Pfarrer aufzugeben, übergab er zum 31. August 2008 auch sein Abbatiat in jüngere Hände. Zum 1. September 2009 wird er die Leitung der Pfarreien Daßwang, Kemnathen, Batzhausen, Seubersdorf und Eichenhofen, sowie der Expositur Hamberg im Bistum Eichstätt übernehmen.

 

 

2. Problemstellung am Beispiel des Nordportals der Abteikirche Tholey

Am Nordportal der Abteikirche Tholey kann trotz einer 1960 errichteten Schutzverglasung, die 1993 in Form eines Windfangs erneuert wurde, ein rascher Fortschritt der Verwitterung des mit umfassenden Ornamenten versehenen Sandsteinportals verzeichnet werden. Im Rahmen eines durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt geförderten Modellvorhabens sollen von den im Verbundprojekt beteiligten Restauratoren, Denkmalpflegern, Architekten, Mineralogen, Werkstoffwissenschaftlern und Bauphysikern geeignete Rezepturen für Steinergänzungs- und Hinterfüllmassen wie auch Anstrichsysteme entwickelt werden, die dann im Labor und an Musterflächen im Eingangsportals der Klosterkirche zu erproben sind. Im Zuge der notwendigen restauratorischen, mineralogischen und chemischen Analysen bedarf es hierbei aber auch der Untersuchung der witterungs- und nutzungsbedingten Beanspruchung der oberflächennahen Materialschichten, so dass die Kenntnis der örtlich gegebenen Klimaverhältnisse unerlässlich ist, um geeignete Konservierungs-, Reparatur- und Ersatzsysteme im Labor zu formulieren.

Nachfolgend soll das seitens der Fachhochschule Karlsruhe – Hochschule für Technik vom Bereich Energetisches Bauen am IAF (Institut für Angewandte Forschung) Untersuchungsprogramm zur Erfassung, Auswertung und Bewertung der Klimate im Nahfeld des Schutzbaus vorgestellt und erste Ergebnisse präsentiert werden. Eine Bewertung der klimatischen Beanspruchung von Sandstein und Mörtel erfordert aber auch die eingehende materialkundliche Untersuchung, um das Widerstandsvermögen der Materialien unter Berücksichtigung der örtlich vorherrschenden Umweltbeanspruchungen analysieren zu können.

Mit dem Abschluss des Vorhabens werden umfassende Erfahrungen zu den raumklimatischen Besonderheiten eines Schutzbaus erwartet, die sicher auch auf andere Bauwerke mit ähnlicher Problemstellung übertragen werden können. Zudem sollen Konzepte herausgearbeitet werden, mit denen die Raumluftverhältnisse innerhalb des Schutzbaus nachhaltig verbessert werden kann, um dem weiteren Schadensfortschritt wirksam zu entgegnen. So sollen am Beispiel des Schutzbaus in Tholey in einem ersten Schritt Maßnahmen eines kontrollierten und klimaabhängigen Öffnens und Schließens von Fenstern und Türen wie auch dem klimaabhängigen Betrieb von Lüftern zur nachhaltigen Verbesserung der Raumluftverhältnisse erprobt werden. Auch wird überlegt, durch eine einfache Signalgebung in Form einer Klima- oder Lüftungsampel mit roter oder grüner Leuchtfarbe optisch erkennbar anzuzeigen, ob ein längeres Öffnen der Portal- und Schutzraumtüre ungünstige Auswirkungen hinsichtlich eines weiteren Schadensfortschrittes am historisch bedeutsamen Sandsteinportal hat.

Weitere Informationen: http://www.energetischesbauen.de/Projekte/Kloster_Tholey_/kloster_tholey_.html

 

 

 

Literatur
Reichert, Franz-Josef: Die Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey. In: Rheinische Kunststätten, Neuss 1987

 

 

Dateigröße: 13.38 Kb - - Letzte Aktualisierung: 02 März 2011 01:05:32

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